Hallux rigidus (=Arthrose des Großzehengrundgelenks)

Fortgeschrittene Arthrose des Großzehengrundgelenks
Fortgeschrittene Arthrose des Großzehengrundgelenks

Definition

Die Arthrose des Großzehengrundgelenkes wird als Hallux rigidus bezeichnet. Der Ausdruck besteht aus den Teilen Hallux für Großzehe und rigidus für steif (rigide). Bei der Arthrose des Großzehengrundgelenkes kommt es zu einem Bewegungsverlust des Großzehengrundgelenkes mit Steifigkeit der Großzehe. Die Arthrose des Großzehengrundgelenkes wurde erstmals 1887 von Davies-Colley beschrieben. (Davies-Colley, BMJ, 1887). Der Ausdruck Hallux rigidus wurde im Folgejahr von Cotterill eingeführt. (Cotterill, BMJ, 1888)

Erkrankungsverlauf

Leider muss mit einem stetigen voranschreiten der Arthrose des Großzehengrundgelenks gerechnet werden. Durch eine Behandlung, ob konservativ oder operativ, kann das Vornschreiten der Arthrose allenfalls verlangsamt werden. Natürlich könne die Beschwerden erheblich gelindert werden. Erneute Probleme durch eine Zunahme der Arthrose sind aber leider nicht mit Sicherheit zu verhindern.

Ursachen und Entstehung

Ein Ursache für die Arthrose des Großzehengrundgelenkes ist meist nicht bekannt. Natürlich kann es nach Verletzungen zu einer Schädigung des Gelenkes mit nachfolgendem Verschleiß kommen. Ein solche Zusammenhang kann aber nur selten belegt werden.

In Frühstadien steht eine Schädigung der Gleitschicht des Gelenkes, also des Gelenkknorpels im Vordergrung. Ist die Gleitschicht einmal geschädigt, führt die normale Bewegung und Belastung des Gelenks zu einem voranschreiten des Verschleiß.

Der Körper registriert die verminderte Belastbarkeit des verschlissenen Gelenks und versucht mit Ausbildung von knöchernen Ausziehungen (Osteophythen) die Belastungsfläche zu vergrößern. Die Versuch ist leider nicht erfolgversprechend. Im Gegenteil, die Osteophyten könne selbst zu Beschwerden durch Druck im Schuh führen.

Verschiedene Ursachen werden in der medizinischen Literatur diskutiert, konnten jedoch nicht allgemein annerkannt belegt werden:

  • Anhebung des ersten Mittelfußknochens = Metatarsus primus elevatus
  • Überlänge des ersten gegenüber dem zweiten Mittelfußkochen = Index plus
  • Flache oder domartige Konfiguration der Gelenkfläche des ersten Mittelfußköpchens.

Häufigkeit

Arthrose der Großzehengrundgelenkes ist die häufigste Arthrose im Bereich von Fuß und Sprunggelenk. Es muss davon ausgegangen werden, dass einer von 40 Patienten, die älter als 50 Jahre sind, eine Arthrose des Großzehengrundgelenkes hat.

Diagnostik

Die Diagnose kann meist schon anhand der klinischen Untersuchung gestellt werden. Die Kombination aus reduzierter Gelenkbeweglichkeit und tastbaren Osteophyten lässt mit hinreichender Sicherheit auf eine Arthrose des Großzehengrundgelenkes als auf einen Hallux rigidus schließen.

Eine Röntgenaufnahme des Fußes hilft, das Ausmaß der Arthrose zu bestimmen. Anhand der Röntgenaufnahmen ist eine Einteilung in einen Schweregrad der Arthrose möglich.

Behandlung ohne Opertion (=konservative Therapie)

Wie bei allen Arthrosen besteht die konservative Behandlung aus einer Schmerzmedikation in Kombination mit einer Reduktion der Belastung. Die Belastung und die schmerzhafte Beweglichkeit des Gelenks können durch eine Sohlenversteifung und eine Abrollsohle (Ballenrolle) reduziert werden. Bei akuten Schmerzen ist auch die Injektion von Kortison in das Gelenk hilfreich. Das Kortison unterdrückt den Reizzustand des Gelenks, der durch den Knorpelabrieb entsteht. Auch Knorpelaufbauspritzen sind in Erwägung zu ziehen. Eine Behandlung mit Knorpelaufbaupräparaten wird allerdings von den Krankenkassen nicht übernommen und muss als sog. IGEL (Individuelle GEsundheitsLeistung) von den Patienten selbst finanziert werden.

Operative Behandlung einer mittelgradigen Arthrose

Bei einer Arthrose des Großzehegrundgelenks kommt es neben dem Verschleiß des Gelenkknorpels (Gleitschicht) zur Ausbildung von knöchernen Auswüchsen, die als Exostosen oder Osteophyten bezeichnet werden. Der Körper versucht eine Vergrößerung der Gelenkfläche und eine Stabilisierung des Gelenks zu erreichen. Leider sind diese Reaktionen nicht erfolgreich, sondern können selbst zu den Beschwerden beitragen. Häufig kommt es zu einem schmerzhaften Konflikt zwischen den knöcheren Auswüchsen und dem Schuhwerk. Ist der Gelenkknorpel noch einigermaßen gut erhalten, sollten die knöcheren Ausziehung operativ abgetragen werden. Dadurch wird auch die Beweglichkeit des Gelenks verbessert.

Einschränkend muss  leider hinzugefügt werden, dass der Knorpelverschleiß nicht rückgängig zu mach ist, weshalb damit zu rechnen ist, dass die Großzehe bei voranschreitendem Verschleiß nach einiger Zeit wieder Beschwerden verursachen wird. Leider ist nicht exact vorherzusagen, wie lange die Beschwerdelinderung durch die Cheilektomie (die Abtragung der Exostosen) anhalten wird. Mit einigen Jahren ist zu rechnen. Glücklichweise ist die Abtragung der Exostose eine kleinere Operation, die meist ambulant durchgeführt werden kann und nur eine kurze Beeiträchtigung nach sich zieht. So ist z.B.mit einer Arbeitsunfähigkeit von 14 Tagen zu rechnen.

Opertive Behandlung einer fortgeschrittenen Arthrose

Liegt ein fortgeschrittener Verschleiß des Großzehengrundgelenks vor, kann durch eine Versteifung des Gelenks (Arthrodese) ein schmerzfrei voll belastbarter Fuß erreicht werden, der sogar sportliche Belastungen wie Joggen und  Radfahren erlaubt. Die Arthrodese wird auch als "goldener Standard" in der operativen Behandlung eines fortgeschrittenen Verschleißes des Großzehegrundgelenks bezeichnt. D.h. alle andereren, alternativen, neueren Verfahren müssen sich mit der Arthrodese vergleich und bessere Ergebnisse liefern.

Zusammenfassend sind die Vorteile der Arthrodese des Großzengrundgelenks:

  • es wird ein dauerhaft stabiles Ergebnis erreicht.
  • der Fuß wird in der Regel sportfähig.
  • der Fuß kann in einem normalen Schuh belastet werden, der allerdings mit einer Modifikation der Schuhsohle in Form einer Abrollfhilfe ausgestattet werden sollte.

Nachteile der Arthrodese sind:

  • es kann kein Schuhwerk mit hohen Absätzen getragen werden. Dies ist insbesondere für Patientinnen oftmals eine nicht hinnehmbare Einschränkung.

Das künstliche Gelenk bei fortgeschrittener Arthrose der Großzehe

In Ausnahmefällen ist auch der Einbau eines künstlichen Gelenks der Großzehe in Erwägung zu ziehen. Während künstliche Gelenke der Hüfte, des Knies und des oberen Sprunggelenks mittlerweil etabliert sind sind gute mittelfristige oder gar langfristige Ergebnisse für die endoprothetische Versorgung des Großzehengrundgelenks bisher nicht bekannt. Selbstverständlich wird kontinuierlich an der Entwicklung von Endoprothesen des Großzehengrundgelenks gearbeitet.

Fortgeschrittener Verschleiß des Großzehengrundgelenk nach Gelenkeröffnung in der Operatioin
Fortgeschrittener Verschleiß des Großzehengrundgelenk nach Gelenkeröffnung in der Operatioin

Fazit

Die Arthrose des Großzehengrundgelenks wird als Hallux rigidus bezeichnet. Die konservative Therapie besteht vor allem aus einer Modifikation des Schuhwerks. Haben sich Ausziehungen des Gelenkes bilden, die in schmerzhaftem Konflikt mit dem Schuhwerk stehen, empfiehlt sich eine operative Abtragung dieser Osteophythen. Bei fortgeschrittenem Gelenkverschleiß ist die Arthrodese der Operationsverfahren der Wahl, welche zu guten funktionellen Ergebnissen führt. Im Einzelfall ist die Versorgung mit einem künstlichen Gelenk zu diskutieren.

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