Lisfranc-Arthrodese


Was versteht man unter einer Lisfranc-Arthrodese
Wer benötigt eine Lisfranc-Arthrodese?
Verlauf der Erkrankung
Behandlung
Welche Alternativen gibt es zu einer Lisfranc-Arthrodese?
Fazit


 

Was versteht man unter einer Lisfranc-Arthrodese

Bei einer Lisfranc-Arthrodese werden ein oder mehrere Gelenke des Mittelfußes versteift. Die Gelenklinie des Mittelfußes ist nach Jaques Lisfranc benannt, der als Chirurg während der napoleonischen Kriege zahlreiche Füße an dieser Stelle amputieren musste.

Heute spielt die Amputation an dieser Stelle kaum noch eine Rolle.

Häufige Probleme der Lisfranc-Gelenke sind

  • Luxationen (Gelenkverrenkungen) nach Unfällen
  • Arthrose (Verschleiß) dieser Gelenke
  • Veränderungen bei Diabetes an dieser Stelle (Charcot-Fuß)

Die Lisfranc-Gelenklinie hat 5 einzelne Gelenk, die auch als Tarsometatarsalgelenk bezeichnet werden (TMT-Gelenke) und von der Fußinnenseite nach außen durchnummeriert werden: TMT-1-Gelenk bis TMT-5-Gelenk.

In aller Regel bleiben die beiden äußeren Gelenk intakt und werden nicht versteift. Relativ häufig ist eine Versteifung der TMT-Gelenke 1-3.

Fußskelett_Lisfranc-Gelenklinie_eingezeichnet

Fußskelett Lisfranc Gelenklinie eingezeichnet

TMT-Gelenke-1-5-markiert

TMT-Gelenke 1-5 markiert


Wer benötigt eine Lisfranc-Arthrodese?

Patienten, bei denen eine Arthrose, Instabilität oder Fehlstellung eines oder mehrerer Gelenke der Lisfranc-Gelenklinie vorliegt, profitieren von einer Arthrodese. Individuell muss jeweils entschieden werden, ob nur ein oder zwei Gelenke versteift werden, oder ob die Versteifungen mehrerer Gelenke Teil einer komplexen Korrektur ist.


Wie wird eine Lisfranc-Arthrodese durchgeführt?

Das erste TMT-Gelenk wird über einen Zugang von der Fußinnenseite eröffnet. Die TMT-Gelenke 2 und 3 können über einen Zugang auf dem Fußrücken eröffnet werden. In den seltenen Fällen, in denen auch die TMT-Gelenke 4 und 5 mit in die Operation einbezogen werden müssen, ist ein weiterer Zugang (Hautschnitt) auf der Außenseite des Fußrückens erforderlich.

Röntgenbild-normaler-Fuß-von-oben

Röntgenbild normaler Fuß von oben.

Lisfranc-Gelenklinie

Lisfranc Gelenklinie

Nach der Eröffnung der Gelenke wird der eventuell von vorhandenen Knorpel vollständig entfernt, damit der Knochen später zusammenwachsen kann. Damit eine solche knöcherne Heilung entsteht wird der Knochen mit einem Bohrer durchbohrt, aus den Bohrlöchern wächst neuer Knochen aufeinander zu.
Damit der Knochen wirklich heilen kann, muss die Stellung durch Schrauben oder Platten fixiert werden.

Röntgenbild-normaler-Fuß-seitlich

Röntgenbild normaler Fuß von der Seite.

Röntgenbild-nach-Arthrodese-der-TMT-Gelenk-1-3_seitlich

Röntgenbild nach Arthrodese der TMT Gelenke 1-3 von der Seite.

Nach der Operation kann der Fuß für 6 Wochen nicht belastet werden. Die Nachbehandlung erfolgt in der Regel in einer Vacoped-Orthese (Links zu Vacoped-Orthese). Der stationäre Krankenhausaufenthalt dauert ca. 5 Tage. Die Patienten lernen an 2 Unterarmgehstützen zu laufen und dabei den Fuß nicht zu belasten (20 kg Teilbelastung erlaubt).

Nach 6 Wochen erfolgt eine Zwischenkontrolle durch ein Röntgenbild. Ist dabei ein regelhafter Verlauf zu erkennen, darf der Fuß während weiterer 6 Wochen in der Vacoped-Orthese belastet werden. Nach 12 Wochen erfolgt dann die abschließende Röntgenkontrolle. Danach darf der Fuß in einem normalen Schuh belastet werden.

 

 


Was sind die Vor- und Nachteile einer Lisfranc-Arthrodese?

Nach einer Lisfranc-Arthrodese sind keine Einschränkungen des Fußes hinsichtlich Belastbarkeit, Funktion und Optik zu erwarten! Der Fuß ist in einem herkömmlichen Schuh voll belastbar.

Wesentlicher Nachteil ist vor allem die langwierige Nachbehandlung von mindestens 3 Monaten nach der OP. Insbesondere die ersten 6 Wochen, wenn der Fuß konsequent an Gehstützen entlastet werden muss, sind für Patienten eine schwierige Zeit.

In ca. 90% der Fälle zeigt sich im Röntgenbild eine adäquate knöcherne Heilung. Umgekehrt bedeutet diese, dass in 10% der Patienten die Heilung nicht vollständig abläuft und es zu einer sogenannten Pseudarthrose kommen kann. Ist die Pseudarthrose schmerzhaft, bleibt nur eine erneute Operation.

Klinisches-Bild-nach-Arthrodese-der-TMT-Gelenke-2-und-3

Klinisches Bild nach Arthrodese der TMT Gelenke 2 und 3


Welche Alternativen gibt es zu einer Lisfranc-Arthrodese?

Vor einer operativen Versteifung sollten die konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Neben einer Schmerzmedikation (z.B. Ibuprofen oder Novaminsulfon) sollte eine Schuhzurichtung durchgeführt werden. Die verschlissenen Gelenke profitieren vor allem von einer Sohlenversteifung und einer Mittefußrolle.

Erfahrungsgemäß lindert eine Schuhzurichtung die Beschwerden oft nur partiell und damit unzureichend. Insbesondere bei jüngeren Patienten mit hoher Belastung des Fußes sind die Resultate der konservativen Behandlung meistens enttäuschend, weshalb sich diese Patienten in der Regel zur Operation entschließen.


Fazit

Bei der Lisfranc-Arthrodese werden ein oder mehrere Gelenke des Mittelfußes operativ versteift. Ursächlich können Verschleiß, Fehlstellungen oder Instabilitäten der Grund für die Behandlung / Operation sein. Vor einer Operation sollte eine konservative Behandlung ausprobiert werden. Bei unzureichender Linderung der Beschwerden stellt die Operation eine gute Option dar. Die funktionellen Endergebnisse nach einer Lisfranc-Arthrodese sind in aller Regel gut bis sehr gut. Leider ist die Nachbehandlung langwierig. Nach der Operation muss für 3 Monate eine Vacoped-Orthese benutzt werden, während der ersten 6 Wochen müssen Patienten den Fuß an Gehstützen entlasten. Bei ca. 10% der Patienten kommt es zu einer unzureichenden knöchernen Heilung (Pseudarthrose), was meistens eine erneute Operation zur Folge hat. Bei regelhaftem Heilungsverlauf mit knöcherner Konsolidierung ist der Fuß in einem normalen Schuh uneingeschränkt belastbar. Veränderungen oder Auffälligkeiten des Gangbilds sind nicht zu erwarten.