Was ist minimalinvasive Fußchirurgie?

Die Besonderheiten der minimalinvasiven Fußchirurgie lassen sich am einfachsten im Gegensatz zur klassischen offenen Fußchirurgie beschreiben.

Bei der klassischen Fußchirurgie wird der Fuß über einen oder mehrere Hautschnitte eröffnet, Sehnen und Gelenke korrigiert, Knochen durchtrennt und wieder verschraubt.

Bei einem minimalinvasiven Vorgehen wird auf typische Hautschnitte verzichtet. Stattdessen werde alle Korrekturen über wenige Millimeter große Stichinzisionen durchgeführt. Gelenk und Sehnen werden mit einem Spezialmesser durchtrennt. Der Knochen wird mit einer im Durchmesser 2-3 mm großen Fräse durchtrennt. Auf eine Verschraubung des Knochens wird häufig verzichtet. Das Korrekturergebnis wird stattdessen durch einen Verband gehalten, der für mehrere Wochen nach der Operation konsequent angelegt werden muss (siehe Zügelverband).

2 mm dicke Spezialfräse, mit der die Knochen durchtrennt werden können.

Bild aus dem Operationssaal.

Einbringen der Fräse durch eine Stichinzision.

Osteotomie der Kleinzehe über einen Zugang von unten.

Fuß nach Korrektur und Verschluss der Stichinzisionen.

Pflasterzügelverband. Dadurch werden die Zehen in ihrer Korrekturstellung gehalten.

Vorständiger Wundverband. Kann für ca. 10 Tage belassen werden.

Welche Korrekturen können minimalinvasiv durchgeführt werden?

Häufige Krankheitsbilder / Fehlstellungen, die in minimalinvasiver Technik korrigiert werden können:

  • Kleinzehenfehlstellungen
  • Korrektur des Metatarsalen Alignments durch DMOs
  • Korrektur eines Hallux valgus
  • Abtragung von Exostosen bei Hallux rigidus
  • Korrektur eines Schneiderballens
  • Abtragung eines Fersensporns
  • Verschiebung des Fersenbeins im Rahmen einer Plattfußkorrektur

Woher kommt die minimalinvasive Fußchirurgie?

Morton Polokoff gilt allgemein als Begründer der minimalinvasiven Vorfußchirurgie. Der US-Podiatrist Stephen Isham hat die minimalinvasiven Operationsverfahren wesentlich vorangetrieben. Eine minimalinvasive Korrekturosteotomie des ersten Mittelfußknochens wird auch als Isham-Osteotomie bezeichnet. In Europa ist vor allem der Spanier Marino de Prado für minimalinvasive Vorfußchirurgie bekannt, ebenso einige französisches und englische Fußchirurgen (LaFenetre, Redfern, Vernois)

Was sind die Vorteile der minimalinvasiven Vorfußchirurgie?

Da bei minimalinvasiver Vorfußchirurgie keine größeren Hautschnitte erforderlich sind, ist das Risiko einer Wundinfektion und Wundheilungsstörung sehr gering. Das Verfahren eignet sich damit auch für Patienten mit erhöhtem Risiko für Wundheilungsstörungen (z.B. Diabetes mellitus, Rheuma, geriatrische Patienten).

In der Regel ist der Fuß nach einer minimalinvasiven Operation sofort belastbar, was insbesondere für ältere Patienten ein erheblicher Vorteil ist.

Kleinere minimalinvasive Eingriffe können in örtlicher Betäubung (Fußblock) durchgeführt werden, was besonders bei älteren Patienten mir erhöhtem Narkoserisiko von Vorteil ist.

Welche Nachteile sind bekannt?

Als wesentliche Nachteile der minimalinvasiven Fußchirurgie sind zu nennen:

  • Es sind spezielle Kenntnisse seitens des Operateurs erforderlich
  • Der Fuß muss nach einer minimalinvasiven Operation oft für mehrere Wochen (ca. 4) durch einen Zügelverband nachbehandelt werden. (Link Zügelverband)
  • Eine mehrmonatige Schwellneigung des Fußes ist nicht selten.
  • Es kann Monate dauern, bis der durchtrennte Knochen im Röntgenbild wieder zusammengewachsen ist.

Auf die genannten Punkte soll im Weiteren detailliert eingegangen werden:

Spezielle Kenntnisse des Operateurs erforderlich

Neben detaillierten Kenntnisse der Anatomie und Pathoanatomie ist ein hinreichende Erfahrung in der Standardverfahren der klassischen Fußchirurgie Voraussetzung um erfolgreich die minimalinvasiven Verfahren erlernen und anwenden zu können.

Besondere Verbände nach minimalinvasiver Operation erforderlich

Insbesondere wenn auf sog. Osteosynthesematerial, also Schrauben und Platten verzichtet wird, muss der Fuß über mehrere Wochen in Zügelverbänden in der gewünschten Stellung gehalten werden. Dies erfordert eine konsequente Mitarbeit des Patienten. Die Verbandstechnik kann in aller Regel vom Patienten gut erlernt und dann in Eigenregie durchgeführt werden (siehe Zügelverband nach Vorfußoperation)

Zügelverband zur Redression der korrigierten Kleinzehen in die gewünscht Position.

Mehrmonatige Schwellneigung des Fußes nach minimalinvasiver Operation

Nach einer minimalinvasiven Operation kommt es häufig zu einer mehrmonatigen Schwellneigung des Fußes. Die Schwellung ist allenfalls mit geringen Schmerzen verbunden, d.h. der Fuß kann in der Regel gut belastet werden, die Schwellneigung kann allerdings länger anhalten, als dies nach einer konventionellen Operation der Fall wäre.

Lange Dauer bis zur Knochenheilung

Der mit der Fräse durchtrennte Knochen benötigt oft deutlich länger bis eine Heilung im Röntgenbild zu erkennen ist, als dies nach einer konventionellen Operation der Fall wäre.

Dies kann zu Irritationen führen, wenn vorzeitig ein Röntgenbild gemacht wird und der nachbehandelnde Arzt nicht detailliert mit den Besonderheiten der minimalinvasiven Fußchirurgie vertraut ist.

So kommt es immer wieder vor, dass Patienten aufgrund einer langanhaltenden Schwellneigung sich eine 2. Meinung einholen, dann ein Röntgenbild angefertigt wird und anschließend in Frage gestellt wird, ob der Knochen überhaupt noch heilen wird oder gar eine erneute Operation erforderlich werden wird. Die Knochenheilung im Röntgenbild kann auch nach 6-9 Monaten noch eintreten!

Fallbeispiel einer minimalinvasiven Korrektur von Kleinzehenfehlstellungen

Erhebliche Fehlstellung der Kleinzehen nach vorausgegangener Weil-Osteotomie zur Korrektur einer Gelenkluxation.

6 Wochen nach minimalinvasiver Operation

Gute Stellungskorrektur der Zehen, im Röntgenbild zeigt sich eine beginnende Knochenheilung.

3 Monate nach minimalinvasiver Operation

Vollständige Knochenheilung im Röntgenbild.

Besondere Nachbehandlung nach minimalinvasiver Fußchirurgie?

Hier sind insbesondere Zügelverbände der Zehen zu nennen, die für einige Wochen konsequent durchgeführt werden müssen. Ist der Patient nicht in der Lage, diese Verbände durchzuführen oder anlegen zu lassen, sollte auf ein minimalinvasives Vorgehen verzichtet werden.

Fazit?

Die minimalinvasive Fußchirurgie ist eine interessante Alternative zur klassischen Fußchirurgie in ausgewählten Fällen. Manchmal wird sie auch als Ergänzung in Kombination mit einem offenen Verfahren eingesetzt. Neben besonderen Kenntnissen der Operationstechnik ist eine konsequente Nachbehandlung durch Verbände über mehrere Wochen erforderlich. Der postoperative Verlauf zeichnet sich regelhaft durch eine langanhaltende Schwellneigung des Fußes und eine lange Dauer bis zur Heilung des Knochens im Röntgenbild aus.

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