Arthrodese des Zehenmittelgelenks (PIP-Arthrodese)

Das Zehenmittelgelenk wird in fußchirurgischer Terminologie auch als proximales Interphalangealgelenk bezeichnet (Kurzform PIP-Gelenk). Folglich wird eine Versteifung dieses Gelenks auf PIP-Arthrodese genannt.


Indikation

Die PIP-Arthrodese der Kleinzehe (2.bis 5. Zehe) ist das Verfahren der Wahl zur Korrektur einer kontrakten Hammerzehe, also einer Hammerzehe, die passiv, also vom Untersucher, nicht in die Normalstellung gebracht werden kann.


Röntgenbild nach Stabilisierung / Versteifung des Kleinzehenmittelgelenks mit einem Implantat.

Röntgenbild nach Stabilisierung / Versteifung des Kleinzehenmittelgelenks mit einem Implantat.

OP Technik

Der Zugang zum PIP-Gelenk kann über einen Längs- oder Querschnitt der Haut erfolgen. Eventuell vorhandenen Schwiele können dabei mit ausgeschnitten werden. Die Strecksehne wird im Längsverlauf gespalten und am Ende der Operation wieder vernäht. Das Gelenk wird eröffnet. Anschließend werden die Gelenkflächen entfernt (z.B. mit einer oszillierenden Säge). Grund- und Mittelglied werden in der gewünschten Stellung voreinander gebracht und fixiert. Ideal ist eine leichte Beugung von ca. 15° bei ansonsten gerader Achse der Zehe.

In klassischer Technik wird die Zehe / die Arthrodese durch einen 1,2 mm starken Draht in Position gehalten, der ins Innere der Zehe eingebracht wird und im Bereich des Zehenkuppe austritt.


Nachbehandlung

Nach 4-6 Wochen ist die Arthrodese hinreichend konsolidiert, so dass der Draht wieder entfernt, also herausgezogen werden kann. Dies ist nicht schmerzhaft und kann deshalb in der Verbandssprechstunde ohne Betäubung oder Narkose durchgeführt werden. Die subjektive Zufriedenheit der Patienten ist erstaunlicherweise nicht davon abhängig, ob auch wirklich eine knöcherne Brücke zwischen Grundglied und Mittelglied der Zehe entsteht. Häufig kommt es zu einer straffen Narbe, die ausreichend Stabilität sichert. In seltenen Fällen kommt es, bei unzureichender knöcherner Heilung, zu einer erneuten Fehlstellung der Zehe mit entsprechenden Beschwerden.

Alternativ zu der Draht-Osteosynthese kann die Arthrodese mit Implantaten fixiert werden, die sowohl im Grundglied also auch im Mittelglied verankert werden und deshalb auch nach der Knochenheilung verbleiben, dass sie sich dann im Inneren des Knochens der Zehe befinden. Hierin ist neben den Kosten für ein solches Implantat auch der wesentliche Nachteil zu sehen: Falls später einmal eine Metallentfernung gewünscht ist, ist dies nur unter erheblichen Aufwand, wenn überhaupt, möglich.


HammerzeheD2. Operative Korrektur des Hallux bereits erfolgt.

HammerzeheD2. Operative Korrektur des Hallux bereits erfolgt.

Bild am Ende der Operation.

Bild am Ende der Operation.

Alternativen

In letzter Zeit haben sich minimalinvasive Techniken als Alternative zur klassischen PIP-Arthrodese entwickelt. (siehe minimalinvasive Korrektur von Zehenfehlstellungen)


Fazit

Die Versteifung des Zehenmittelgelenks, im fußchirurgischen Jargon PIP-Arthrodese genannt, ist das Verfahren der Wahl zur Korrektur einer kontrakten Hammerzehe der Kleinzehen. Bei der klassischen Technik wird die Zehe vorübergehend durch einen Draht stabilisiert, der nach 4-6 Wochen wieder gezogen werden kann. Unabhängig davon, ob sich wirklich eine knöcherne Brücke im Inneren der Zehe ausbildet oder stattdessen eine straffe Narbe bildet sind die Ergebnisse in aller Regel gut und dauerhaft belastbar.


Auch interessant

Vacopedes-Schuh

Vacopeds-Schuh

Eine Vacopedes-Schuh ist eine schuhartige Orthese die von der Firma OPED hergestellt und vertrieben wird. Das besondere Prinzip der Orthese besteht in der Vacuum-Polsterung.
13. Januar 2015/von Dr. Dohle

Minimalinvasive Fußchirurgie

Die Besonderheiten der minimalinvasiven Fußchirurgie lassen sich am einfachsten im Gegensatz zur klassischen offenen Fußchirurgie beschreiben. Bei einem minimalinvasiven Vorgehen wird auf typische Hautschnitte verzichtet.
19. Juni 2018/von Videmi

Fremdmaterial (Schrauben/Platten)

Operative Korrekturen von Fuß und Sprunggelenk beinhalten regelmäßig Durchtrennungen und Verschraubung von Knochen zur Stellungskorrektur des Fußes. Damit der Knochen in der korrigierten Stellung verheilt, werden Platten und Schrauben zu Stabilisierung eingebracht.
4. Juni 2019/von Videmi

Lapdius-Arthrodese

Unter Lapidus-Arthrodese versteht man ein Operationsverfahren, welches von dem amerikanischen Arzt Paul Lapidus Mitte des letzten Jahrhunderts zur Korrektur einer Hallux valgus Fehlstellung propagiert wurde. 
6. Oktober 2015/von Dr. Dohle
Röntgenbild mit streckseitigen Knochenausziehungen (Osteophyten) als Reaktion des Knochens auf die verminderte Belastbarkeit der Gelenkfläche.

Hallux rigidus – Arthrose des Großzehengrundgelenks

Die Arthrose des Großzehengrundgelenkes wird als Hallux rigidus bezeichnet. Der Ausdruck besteht aus den Teilen Hallux für Großzehe und rigidus für steif (rigide)
25. März 2019/von Dr. Dohle

Hallux valgus

Hallux valgus, bekannt auch als „Ballenfuß“, ist die häufigste Fehlstellung des Fußes. Betroffen sind vor allem Frauen ab dem 40. Lebensjahr, wobei die Fehlstellung durchaus auch bei Männern oder Jugendlichen beobachtet werden kann.
27. September 2014/von Dr. Dohle

Wundheilung und Verbandswechsel

Nach einer Operation müssen die Wunden heilen, damit das gewünscht Korrekturergebnis erreicht wird. Die gilt sowohl für die innerlichen Wunden als auch für die von außen sichtbaren Wunden d.h. die Hautschnitte.
3. Januar 2019/von Videmi
Mehr laden