Die Resektionsarthroplastik des Großzehengrundgelenks (Operation nach Keller-Brandes)

Bei der Operation nach Keller-Brandes (kurz auch Operation nach Brandes genannt) handelt es sich um eine Resektionsarthroplastik des Großzehengrundgelenks. Unter einer Resektionsarthroplastik versteht man eine „Neu-Formung“ eines geschädigten Gelenks durch Kürzung (=Resektion) eines Anteils des beteiligten Knochens. Im Falle einer Operation nach Keller-Brandes wird das Großzehengrundgelenk neu geformt, indem ein Teil des Grundglieds der Zehen entfernt wird.

Rot: gelenknaher Anteil des Grundglieds der Großzehe, der bei einer Brandes OP entfernt wird.

Historie

Diese Resektionsarthroplastik wurde ca. 1920 von Max Brandes, seinerzeit Chefarzt der chirurgischen Klinik in Dortmund, zu Behandlung eines Hallux valgus (Ballenfuß) oder einer Arthrose des Großzehengrundgelenks (Hallux rigidus) inauguriert. Da der Eingriff nahezu zeitgleich von dem amerikanischen Militärchirurgen Keller beschrieben wurde, wir häufig auch von der Operation nach Keller-Brandes gesprochen. Es handelte sich um einen der Standardeingriffe zur Korrektur eines Hallux valgus während des letzten Jahrhunderts. Mittlerweile ist der Eingriff aufgrund seiner

„verstümmelnden Wirkung“ auf die Großzehe fast vollständig verlassen worden und wird in fußchirurgischen Zentren nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt.

Röntgenbild nach Keller-Brandes OP

Biomechanik

Bei der Resektion der Basis der Großzehe müssen zwangsweise die Anheftungen der kurzen Beugesehnen abgelöst werden. Damit verlieren die kurzen Beuger des Großzehengrundgelenks ihre Wirkung. Der Abdruck der Großzehen auf dem Boden wird nachhaltig geschwächt, was sich anhand von Belastungsmessungen (Pedobarographie) belegen lässt. Dadurch, dass die Strecksehnen durch die Operation nicht wesentlich beeinträchtigt wird, kommt es zu einem Überwiegen der Strecker gegenüber den Beugern, was sich in einer Fehlstellung der Großzehe nach oben zeigt.

Deutliche Verkürzung der Großzehe, die nicht mehr den Boden erreicht.

Probleme nach Keller-Brandes Operation

Eine zunehmende Fehlstellung der Großzehe nach oben kann zu Konflikten zwischen Schuh und Zehe führen. Die Abschwächung der kurzen Beugesehnen hat eine Kraftminderung der Großzehe nach unten, also einen reduzierten Bodenabdruck zur Folge. Dies kann durch eine Pedobarographie belegt werden. In extremen Fällen ist die Funktion der Großzehen in der Belastung des Fußes bei der Abrollbewegung so stark reduziert, dass man von eine „funktionellen Amputation“ der Großzehe sprechen könnte. Das Funktionsdefizit der Großzehe führt umgekehrt zu einer Überlastung des benachbarten Vorfußes mit Beschwerden unter dem zentralen Vorfuß. Dies wird in Fachkreisen als (Transfer)Metatarsalgie bezeichnet.

Auf der linken Seite deutliche Belastung der Großzehe, erkennbar an dem roten Abdruck, rechts, nach Brandes Operation deutlich verminderte Belastung der Großzehe.

Alternativen

Die moderne rekonstruktive Fußchirurgie hat mittlerweile zahlreiche gute Alternativen zur Operation nach Keller-Brandes zu bieten. Hier sind zum einen sämtliche gelenkerhaltende Verfahren zur Korrektur eines Hallux valgus zu nennen, zum anderen ist die Versteifung / Stabilisierung des Großzehengrundgelenks durch eine Arthrodese bei fortgeschrittener Arthrose oder bei geriatrischen Patienten eine sinnvolle Alternative. Nach einer Arthrodese ist heute z.B. bei Verwundung moderner Osteosynthesetechniken direkt nach der Operation eine Belastung des Fußes in einem speziellen Verbandsschuh möglich. (siehe Artikel Arthrodese Großzehengrundgelenk)

Aktueller Stellenwert

Die Operation nach Keller-Brandes wird noch in Ausnahmefällen durchgeführt, wenn eine kurze Operationszeit, eine sofortige Belastung des Fußes nach der Operation erforderlich ist und der funktionelle Anspruch des Patienten gering ist. Im anglo-amerikanischen Sprachgebrauch wird von „Nursing-Home-Patienten“ gesprochen, also Bewohnern eines Seniorenheims, bei denen es z.B. durch eine extreme Fehlstellung der Großzehe zu erheblichen Problemen im Schuh kommt.

Rekonstruktion nach Keller-Brandes Operation

Bei anhaltenden Problemen nach einer Keller-Brandes Operation bleibt nur die Umwandlung in eine Versteifung also in eine Arthrodese. Da eine direkte Versteifung zu einer anhaltenden Verkürzung der Großzehe führen würde, wird die Arthrodese häufig mit einer Verlängerung durch Einfügen eines Knochenblocks kombiniert. Dieser Knochenblock kann vom Beckenkamm entnommen werden (siehe

Artikel Beckenkammspan). Alternativ kann die Arthrodese mit einer Verlängerungsosteotomie des ersten Mittelfußknochens kombiniert werden (selten). Der erste Mittelfußknochen kann im Längsverlauf durchtrennt und unter Verlängerung wieder verschraubt werden.

Röntgenbild vor und nach Interpositionsarthrodese. Durch die Interpositionsarthrodese wir die Großzehe stabilisiert unter gleichzeitiger Wiederherstellung der Länge.

Fazit

Die Operation nach Keller-Brandes wird heutzutage nur noch in seltenen Ausnahmefällen durchgeführt. Wesentlicher Grund dafür sind die häufig mittelfristig schlechten Ergebnisse und erneute Probleme z.B. im Sinne einer Überlastung des zentralen Vorfußes (Transfermetatarsalgie)