Was versteht man unter einer Hammerzehe

Unter einer Hammerzehe wird eine Deformierung (Fehlstellung) einer Kleinzehe verstanden. Üblicherweise wird der Begriff der Hammerzehe dann mit einer Abkürzung für die betroffene Zehen verbunden. Z.B. Hammerzehe D2. In diesem Fall beschreibt der Begriff Hammerzehe die Art der Fehlstellung und D2 die betroffene Zehe, in diesem Fall die 2. Zehe. D ist die Abkürzung für Digitus, dem lateinischen Namen für Zehe oder Finger. Die Großzehe wird als D1 bezeichnet, d.h. es wird von innen nach außen gezählt.

Anatomie der Kleinzehen

Eine Kleinzehe besteht aus 3 Knöchelchen, die durch 2 Gelenke miteinander und über ein Grundgelenk mit dem Fuß verbunden sind. Alle der genannten Gelenke können eine Fehlstellung entwickeln, was dann zu einer Fehlstellung der gesamten Zehe führen kann.

Die Hammerzehe ist unter allen möglichen Fehlstellung die mit Abstand häufigste. Bei der Hammerzehe liegt eine Beugestellung im sogenannten PIP-Gelenk (Proximales Inter Phalangeal-Gelenk = Gelenk zwischen dem Grundglied und dem Mittelglied der Zehe vor).

Hammerzehe D2 und D3, Krallenzehe D5

Komplexe Fehlstellung sämtlicher Kleinzehen

Grundsätzlich wird zwischen kontrakten und flexiblen Fehlstellungen unterschieden. Bei einer flexiblen Fehlstellung kann die Zehe noch in ihre anatomische Normalstellung bewegt werden. Ist dies nicht mehr möglich, wird dies als kontrakte Fehlstellung bezeichnet. Üblicherweise werden flexible Fehlstellung nach Jahren zu kontrakten Fehlstellung und bereiten dann zunehmend Probleme.

Symptome / Beschwerden

Eine Hammerzehe kann auf vielfältige Weise Probleme und Schmerzen verursachen:

  • Die fehlgestellte Zehe kann im Schuh drücken und eine schmerzhafte Schwiele entwickeln
  • Die Zehe kann einen schmerzhafte Konflikt mit einer benachbarten Zehe entwickeln
  • Mit der Zeit kann es zu einer schmerzhaften Schädigung des Grundgelenks kommen.

Ursachen und Entstehung

Verschiedene Entstehungsmechanismen werden diskutiert:

  • Stauchung einer (über)langen Zehe im Schuh, dadurch zunehmende Fehlstellung.
  • Schädigung des Zehengrundgelenks, nachfolgend Abweichung der Zehe nach oben.
  • Verdrängung einer Zehe, durch eine Abweichung der benachbarten Zehe. Z.B. Hammerzehe D2 bei Hallux valgus.
  • Eine neurologische Grunderkrankung (sehr selten)

Wie kann man die Entstehung einer Hammerzehe vermeiden?

Da die Ursachen für die Entstehung einer Hammerzehe nicht mit Sicherheit geklärt sind, gibt es keine sicheren Empfehlungen, wie die Entstehung einer Hammerzehe zuverlässig verhindert werden kann.

Grundsätzlich sollte geräumiges weites Schuhwerk bevorzugt werden. Wird der Fuß über Jahre in zu kleine Schuhe gezwängt, kann das zu Zehenfehlstellungen führen. Leider ist der Umkehrschluss (durch geräumiges Schuhwerk kann die Entwicklung von Zehenfehlstellungen zuverlässig ausgeschlossen werden) nicht gesichert.

Konservative Behandlung

Hinsichtlich der Behandlung muss zwischen der Linderung von Beschwerden und einer Korrektur der Fehlstellung unterschieden werden. Eine Korrektur der Fehlstellung ist nach heutigem Kenntnisstand leider nur durch eine Operation möglich.

Eine Linderung der Beschwerden ist durch ein entsprechend weites Schuhwerk ggf. möglich. Schmerzhafte Schwielen können durch ein Silikonpolster abgedeckt werden. Auch eine Einlage kann hilfreich sein.

Operative Behandlung

Eine operative Korrektur einer Hammerzehe richtet sich nach der individuell vorliegenden Fehlstellung.

Grob vereinfacht kann festgehalten werden.

  • Eine flexible Fehlstellung kann durch eine Sehnenverlagerung (Beugesehnentransfer)
  • Eine kontrakte Fehlstellung durch eine Korrekturarthrodese (Versteifung des fehlgestellten Gelenks in korrigierter Stellung) korrigiert werden.

Achtung: Das zu empfehlende Operationsverfahren, wird unter Berücksichtigung zahlreicher individueller Faktoren gewählt, die an dieser Stelle nicht in ausreichender Tiefe dargestellt werden können!

Minimalinvasive Korrekturverfahren

In letzter Zeit etablieren sich auch in Deutschland zunehmend minimalinvasive Operationsverfahren zur Korrektur von Kleinzehenfehlstellung. Die minimalinvasive Chirurgie folgt anderen Regeln als die klassisch offenen Operationsverfahren. Auch die Nachbehandlung nach minimalinvasiven Eingriffen ist anders, meist sogar aufwändiger als nach offene Operationsverfahren. Diese Technik wird deshalb in einem eigenen Beitrag dargestellt. (siehe Beitrag minimalinvasive Fußchirurgie).

Nachbehandlung nach OP

Die Nachbehandlung nach einer operativen Korrektur einer Hammerzehe richtet sich vor allem nach dem durchgeführten Operationsverfahren. In den meisten Fällen kann der Fuß direkt nach der Operation in einem Fußteilentlastungsschuh belastet werden.

Fazit

Unter einer Hammerzehe wird ein Fehlstellung einer Kleinzehe im proximalen Interphalangealgelenk (Zehenzwischengelenk) verstanden. Die konservative Behandlung zielt im wesentliche auf Linderung der Beschwerden durch Polsterung der Zehe und Wahl eines geräumigen Schuh. Verschiedene operative Korrekturverfahren stehen bei anhaltenden Beschwerden zur Verfügung.

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