Was versteht man unter einer minimalinvasiven Korrektur von Kleinzehenfehlstellungen?

Bei einer minimalinvasiven Operation werden Sehnen und Knochen über Stichinzisionen durchtrennt und korrigiert. Die Korrekturen des Knochens werden mit Spezialfräsen durchgeführt, die einen Durchmesser von ca. 2 mm haben.

Da der Operateur keine direkte Sicht auf den Knochen hat, wird die Korrektur unter Benutzung eines Röntgenbildverstärkers im OP durchgeführt.

Die Stellung der Zehen wir am Ende der Operation mit speziellen Pflastern und einem Verband fixiert.

2 mm starke Spezialfräse, die über eine mini-Stich-Inzision in den Fuß eingebracht wird.

Lagerung des Fußes unter dem Röntgengerät.

Verschluss der Stichinzisionen mit Hautnähten.

Stabilisierung der Kleinzehen mit Klebestreifen (Steri-Strips).

Redressierender Verband.

In welchen Situationen wird eine minimalinvasive Korrektur von Hammerzehen oder Krallenzehen durchgeführt?

Minimalinvasive Operationstechnik etablieren sich zunehmend als Ersatz für die klassischen offenen Korrekturverfahren wie z.B. der PIP-Arthrodese oder einem Beugesehnentransfer.

Was sind die Vorteile der minimalinvasiven Korrektur gegenüber den klassischen Operationsverfahren?

Minimalinvasive Korrekturen können u.U. in einer örtlichen Betäubung des Fußes durchgeführt werden, weshalb auf eine Narkose teilweise verzichtet werden kann. Damit sind minimalinvasive vor allem bei älteren Patienten oder bei Patienten mit einem höheren Risiko für Wundheilungsstörungen (Diabetes, Rheuma, etc.) interessant. Der operierte Fuß ist in der Regel direkt nach der Operation belastbar.

Was sind die Nachteile der minimalinvasiven Korrektur gegenüber den klassischen Operationsverfahren?

Die knöchernen Korrekturen sind nach einem minimalinvasiven Verfahren hinsichtlich der Stellung nicht so präzise wie nach eine klassischen offenen Operation, da die Korrekturen nicht durch Schrauben, Platten oder Drähte fixiert werden. Ein Redressionsverband ist für einige Wochen nach der Operation erforderlich (ca. 4 Wochen). Außerdem dauert es deutlich länger bis die Heilung des Knochens im Röntgenbild erkennbar ist. Weiterhin berichten Patienten über eine mehrere Monate anhaltende Schwellneigung des Fußes.

Achtung: Eine vollständige Knochenheilung ist im Röntgenbild u.U. erst 6 Monate nach einer mininmalinvasiven Korrektur erkennbar!

Ist man mit dem typischen Heilungsverlauf nach minimalinvasiver Knochendurchtrennung nicht vertraut und legt die Maßstäbe wie nach klassische offener Operation an, wir nicht selten eine unzureichende Heilung mit Bildung eines Falschgelenks (Pseudarthrose) vermutet. Vor einer Revisionsoperation empfiehlt es sich deshalb unbedingt mit einem in minimalinvasiver Chirurgie ausgebildeten Operateur Rücksprach zu halten!

Nach einer minimalinvasiven Korrektur einer Kleinzehenfehlstellung resultiert in der Regel eine etwas verminderte Funktion der Zehe. Eine aktive Greiffunktion geht in der Regel verloren. Dies ist funktionell unbedeutend. Um eine harmonische Stellung und vergleichbar Funktion der Kleinzehen zu erreichen, werden häufig mehrere Zehen operiert, auch wenn die Pathologie im wesentlichen nur 1 oder 2 Zehen betrifft. Direkt nach der Operation kann es zu einem leichten Hochstand der Kleinzehen mit eingeschränktem Bodenkontakt der Kleinzehen kommen. Die Stellung verbessert / korrigiert sich in der Regel im Laufe des ersten Jahres so dass die Zehenkuppen wieder Bodenkontakt gewinnen.

Fallbeispiel einer minimalinvasiven Korrektur von Kleinzehenfehlstellungen

Erhebliche Fehlstellung der Kleinzehen nach vorausgegangener Weil-Osteotomie zur Korrektur einer Gelenkluxation.

6 Wochen nach minimalinvasiver Operation

Gute Stellungskorrektur der Zehen, im Röntgenbild zeigt sich eine beginnende Knochenheilung.

3 Monate nach minimalinvasiver Operation

Vollständige Knochenheilung im Röntgenbild.

Fazit

Die minimalinvasive Korrektur einer Hammerzehe/Krallenzehe ist eines der wertvollsten Verfahren aus dem Portfolio der minmalinvasiven Fußchirurgie. Durch den Verzicht auf K-Drähte oder Implantate kann das Risiko einer postoperativen Infektion auf ein Minimum reduziert werden. Das Operationsverfahren ist deshalb auch für diabetische Füße geeignet! Eine Korrektur des Metatarsalen Alignments ist ergänzend über DMMOs möglich.

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